Schnell, leicht verfügbar und günstig: Todes-Droge Crystal Meth im Fokus

 

Elterninformationsabend an der Mädchenrealschule der Ursulinen-Schulstiftung

 

Um über die Gefahren und weitreichenden Folgen des Konsums von Crystal Meth aufzuklären, luden Elternbeirat und Schulleitung der MRU vergangenen Donnerstag zum Elterninformationsabend. Elternbeiratsvorsitzender Klaus Müller konnte dazu Kriminaloberkommissar Franz Listl als Referenten gewinnen, der durch Einblicke in seine langjährige Berufspraxis die zahlreichen Zuhörer in seinen Bann zog.

14-03-15 Crystal2

Zu Beginn seines Vortrags verdeutlichte Listl die Problematik anhand alarmierender Zahlen. So gab es laut Studie des Bundeskriminalamts in Deutschland im Jahr 2013 knapp 1000 Drogentote zu beklagen. Dabei schilderte der Kriminalbeamte auch einen Fall aus Waldkirchen (Lkr. Freyung-Grafenau), wo im Januar dieses Jahres zwei Männer im Alter von 31 und 32 Jahren Opfer eines tödlichen Mix aus Crystal Meth und Fentanyl (Narkotikum) geworden sind. Alleine in Bayern wurden im Jahr 2013 35,8 kg Crystal sichergestellt, was einer Steigerung von 150 % gegenüber dem Jahr 2008 entspricht. Das Bundeskriminalamt geht von etwa 2500 Konsumenten aus, wobei die Dunkelziffer wesentlich höher liegen dürfte aufgrund der Vielzahl der Auslandsdelikte. Franz Listl erklärte dies so: Viele Heranwachsende fahren nach Tschechien und besorgen sich dort auf den sogenannten Vietnamesenmärkten Crystal Meth und konsumieren dies auch vor Ort. Somit werden diese Delikte in keiner deutschen Studie erfasst. „Da steckt mieser billiger Dreck drin", so Listl weiter. Die auf den Märkten erwerbbare Droge sei immer gestreckt und werde in dreckigen Drogenküchen hergestellt. Schwer belastet in Sachen Crystalfälle sind vor allen Dingen die Landkreise Schwandorf und Cham, doch auch Straubing-Bogen ist zunehmend betroffen.

Crystal gab es schon vor 120 Jahren. Im Zweiten Weltkrieg leistete es einen wesentlichen Beitrag als sogenannte „Panzerschokolade", die wachhält, enthemmt und euphorisiert. Auch das „Wunder von Bern" hätte es ohne Pervitin wahrscheinlich nie gegeben. „Über uns ist Crystal Meth hereingebrochen wie ein Tsunami", so Polizeioberkommissar Listl. Ausschlaggebend für den Boom war die Legalisierung von Drogen für den Eigenbedarf in Tschechien im Jahr 2010.
Crystal Meth wird meist in Tschechien, teils in Polen, synthetisch hergestellt aus freiverkäuflichen Bestandteilen. Grundstoff sind Grippe-Medikamente. Diese werden kombiniert mit anderen Stoffen wie beispielsweise Frostschutzmittel oder Batteriesäure, um die Stärke der Droge zu intensivieren. In der Herstellung kostet ein Gramm 25 bis 40 Euro, im Weiterverkauf wird es zu 200 Euro angeboten.
Franz Listl wies explizit darauf hin, dass insbesondere „Leute aus der Mitte der Gesellschaft, die mehr leisten wollen" Crystal Meth konsumieren. Jugendliche sind besonders leicht verführbar, weil sie sich in ihrer ganz persönlichen Phase der Identitätsfindung befinden, in der sie Grenzen auslotsen, besonders risikobereit sind und sich dem Gruppenzwang beugen. Daher richtet sich seine Bitte an die Eltern: „Erziehen Sie Ihre Kinder stark. Kinder sind Nachahmer. Wir müssen unsere Kinder stark machen. Dazu gehört auch, einmal Nein zu sagen."
Crystal Meth führt sehr schnell zu psychischer und körperlicher Abhängigkeit. Die Droge entwürdige den Menschen, mache ihn „zum Hampelmann der Droge", so der Kriminalbeamte weiter. Beschaffungskriminalität und soziale Probleme seien die logischen Konsequenzen.


Ganz still wurde es dann in der Aula der MRU als Listl auf die Folgen des Konsums von Crystal Meth einging. Der Konsum dieser Droge unterdrückt Müdigkeit, Angst und Schmerz und wirkt leistungssteigernd. Nach einiger Zeit setzen Nierenschäden ein, es kommt zu einer starken Gewichtsabnahme, Bluthochdruck und zur Austrocknung der Mundschleimhäute. Starker körperlicher Verfall mit krassen Hautentzündungen und dem Ausfall der Zähne setzt ein. „Man kann dem Körper richtig zuschauen beim Altern", ergänzt Listl. Untermauert wurden seine eindringlichen Worte durch Bilder Abhängiger, die bereits nach wenigen Monaten kaum noch wiedererkennbar waren.
Eltern sollten auf Auffälligkeiten wie Essensverweigerung, Abbruch langjähriger Freundschaften, Aggressivität, Passivität, und Schlafstörungen achten. Bei einem ersten Verdacht gilt: keine Panik. „Wer schimpft, der hat schon verloren, weil Schimpfen zeigt, dass man keine Argumente hat", sagte Franz Listl. Gespräche, das Mitteilen eigener Sorgen und Informiertheit seien wichtig. Hilfe bieten im Fall der Fälle auch Suchtberatungsstellen der Diakonie und der Caritas oder das Landratsamt.

14-03-15 Crystal

Abschließend bedankten sich Schulleiter Johannes Dieckmann und Elternbeiratsvorsitzender Klaus Müller mit kleinen Präsenten bei Kriminaloberkommissar Franz Listl für den kurzweiligen und äußerst informativen Abend.

Für den Inhalt: Kristina Poiger

 

 

kp-14-03-15