Todesdroge Crystal Meth im Fokus

Schnell, leicht verfügbar und günstig: Crystal Meth. (Bild: dpa)

Kriminaloberkommissar Franz Listl zu Gast bei Elterninformationsabend an der MRU

 

Bericht im Straubinger Tagblatt

 

Um über die Gefahren und weitreichenden Folgen des Konsums von Crystal Meth aufzuklären, hatten Elternbeirat und Schulleitung der Ursulinen-Mädchenrealschule zu einem Elterninformationsabend eingeladen. Elternbeiratsvorsitzender Klaus Müller hatte Kriminaloberkommissar Franz Listl als Referenten gewonnen, der durch Einblicke in seine langjährige Berufspraxis die zahlreichen Zuhörer in seinen Bann zog.

Zu Beginn seines Vertrags verdeutlichte Listl die Problematik anhand alarmierender Zahlen. So gab es laut Studie des Bundeskriminal-amts in Deutschland im Jahr 2013 knapp 1000 Drogentote zu beklagen. Dabei schilderte der Kriminalbeamte auch einen Fall aus Waldkirchen (Kreis Freyung-Grafenau), wo im Januar dieses Jahres zwei Männer im Alter von 31 und 32 Jahren Opfer eines tödlichen Mix aus Crystal Meth und Fentanyl (Narkotikum) geworden sind. Alleine in Bayern seien im Jahr 2013 35,8 Kilogramm Crystal sichergestellt worden, was einer Steigerung von 150 Prozent gegenüber dem Jahr 2008 entspreche.

Das Bundeskriminalamt geht von etwa 2500 Konsumenten aus, wobei die Dunkelziffer wesentlich höher liegen dürfte aufgrund der Vielzahl der Auslandsdelikte. Der Grund: Viele Heranwachsende würden nach Tschechien fahren und sich dort auf den sogenannten „Vietnamesenmärkten" Crystal Meth besorgen und noch vor Ort konsumieren. Somit werden diese Delikte in keiner deutschen Studie erfasst.

„Da steckt mieser, billiger Dreck drin", fand Listl deutliche Worte. Die auf den Märkten erwerbbare Droge sei immer gestreckt und werde in dreckigen Drogenküchen hergestellt. Schwer belastet in Sachen Crystalfälle sind vor allen Dingen die Landkreise Schwandorf und Cham, doch auch Straubing-Bogen sei zunehmend betroffen.

Crystal habe es schon vor 120 Jahren gegeben. Im Zweiten Weltkrieg habe es einen wesentlichen Beitrag als sogenannte „Panzerschokolade" geleistet, die wachhält, enthemmt und euphorisiert. Auch das „Wunder von Bern" hätte es ohne Pervitin wahrscheinlich nie gegeben.

„Über uns ist Crystal Meth hereingebrochen wie ein Tsunami", bekannte Franz Listl. Ausschlaggebend für den Boom sei die Legalisierung von Drogen für den Eigenbedarf in Tschechien im Jahr 2010 gewesen. Crystal Meth werde meist in Tschechien, teils in Polen, synthetisch hergestellt aus frei verkäuflichen Bestandteilen. Grundstoff seien Grippemedikamente. Diese würden kombiniert mit anderen Stoffen wie beispielsweise Frostschutzmittel öder Batteriesäure, um die Stärke der Droge zu intensivieren. In der Herstellung koste ein Gramm 25 bis 40 Euro, im Weiterverkauf werde es für bis zu 200 Euro angeboten.

Franz Listl wies explizit darauf hin, dass insbesondere „Leute aus der Mitte der Gesellschaft, die mehr leisten wollen" Crystal Meth konsumieren. Jugendliche seien besonders leicht verführbar, weil sie sich in ihrer ganz persönlichen Phase der Identitätsfindung befinden, in der sie Grenzen ausloten, besonders risikobereit sind und sich dem Gruppenzwang beugen. Daher richtet sich seine Bitte an die Eltern: „Erziehen Sie Ihre Kinder stark. Kinder sind Nachahmer. Wir müssen unsere Kinder starkmachen. Dazu gehört auch, einmal Nein zu sagen."

Crystal Meth führe sehr schnell zu psychischer und körperlicher Abhängigkeit. Die Droge entwürdige den Menschen, mache ihn „zum Hampelmann der Droge", so der Kriminalbeamte weiter. Beschaffungskriminalität und soziale Probleme seien die logischen Konsequenzen.

Ganz still wurde es dann in der Aula der MRU, als Listl auf die Folgen des Konsums von Crystal Meth einging. Der Konsum dieser Droge unterdrücke Müdigkeit, Angst und Schmerz und wirke leistungssteigernd. Nach einiger Zeit setzen Nierenschäden ein, es kommt zu einer starken Gewichtsabnahme, Bluthochdruck und zur Austrocknung der Mundschleimhäute. Starker körperlicher Verfall mit krassen Hautentzündungen und dem Ausfall der Zähne setze ein.

Eltern sollten auf Auffälligkeiten wie Essensverweigerung, Abbruch langjähriger Freundschaften, Aggressivität, Passivität und Schlafstörungen achten, riet Listl. Bei einem ersten Verdacht gelte: keine Panik. „Wer schimpft, der hat schon verloren, weil Schimpfen zeigt, dass man keine Argumente hat", sagte Franz Listl. Gespräche, das Mitteilen eigener Sorgen und informiert zu sein seien wichtig. Hilfe bieten im Fall der Fälle auch Suchtberatungsstellen der Diakonie und der Caritas oder das Landratsamt.

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