„Das Internet vergisst nie“ – Elterninformationsabend an der MRU zu den Gefahren der Handynutzung

Cybermobbing, Gewaltvideos, Nacktfotos, Sexszenen – allesamt Inhalte, die Eltern nicht auf den Handys ihrer Kinder wünschen. Doch gleich bei seiner Begrüßung stellte Realschuldirektor Johannes Dieckmann klar, dass sich solche Dinge durchaus auch auf den Handys mancher Mädchen der Ursulinen-Realschule befinden: „Das schwappt von anderen herein, da sind wir fast machtlos." Deshalb sei in seinen Augen eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule notwendig, „damit wir das ein bisschen in den Griff bekommen." Für den Elterninformationsabend „Handynutzung von Jugendlichen – Möglichkeiten und Gefahren – Rechte und Pflichten der Erziehungsberechtigten" konnte Dieckmann Kriminalhauptkommissar Dengler und Polizeioberkommissar Kronfeldner, Schulverbindungsbeamter der Polizeiinspektion Straubing, gewinnen.

Kronfeldner vermittelte dem Publikum anhand der JIM-Studie 2013 eindrücklich das Medienverhalten der Jugend. Demnach besitzen 99 % der Mädchen und 94 % der Jungen im Alter von 12 bis 19 Jahren ein Handy, 72 % sogar ein Smartphone. 73 % der Jugendlichen gaben an, dass sie täglich online sind, weitere 16 % mehrmals wöchentlich. In einer Selbsteinschätzung sollten die Jugendlichen zudem angeben, wie viele Minuten sie montags bis freitags täglich online sind. Dabei kam ein alarmierender Wert von durchschnittlich 179 Minuten heraus. Großen Einfluss auf diese Zahlen hat natürlich der rasante Anstieg der Smartphone-Nutzer. Stolze 60 % der Jugendlichen haben eine Internetflatrate, vor allen Dingen um mit ihren Freunden ständig kommunizieren zu können.


Dabei haben die Jugendlichen mehr oder weniger gefährdende Inhalte auf ihren Handys. Beinahe jeder Zehnte gibt zu, selbst brutale Videos oder pornographische Darstellungen zu besitzen. Kronfeldner ging hier zunächst auf das Problem der Urheberrechtsverletzung ein: „Eigentlich ist es schon eine Straftat, ein Bild einer Person weiterzuschicken. Das geht solange, bis sich einer aufregt." „Modern" sei insbesondere das „Betrunkenen-Dekorieren" oder die ausführliche Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken. An negative Auswirkungen im späteren Berufsleben denke hier fast keine(r).
„Im Park lauert heute keiner mehr auf, 97 % der sexuellen Übergriffe fangen im Internet an", findet Kronfeldner deutliche Worte. Dies sei aber nur eine der negativen Seiten des Chattens. Unter Jugendlichen kommt es vor allen Dingen zu Beleidigungen, Bedrohungen und Cyber-Mobbing. Kronfeldner erläuterte, dass Cyber-Mobbing für die Betroffenen deshalb so schlimm sei, da es rund um die Uhr stattfinden könne und aufgrund der Anonymität im Netz auch aggressiver ausgetragen werde. Für das Chatten hat er einige Tipps parat: keine persönlichen Daten oder Bilder preisgeben, Spitznamen verwenden, keine Namen mit Verlockungen benutzen, auf Unbekanntes niemals antworten.


Anschließend ging der Polizeibeamte näher auf die verbotenen Inhalte, die sich insbesondere auf Smartphones befinden, ein. Diese reichen von Kinderpornographie über „Snuff-Videos" (Hinrichtungen) und sog. „Tasteless" (Unfallopferdarstellungen) bis hin zum sogenannten „Happy Slapping". Schlägereien und sexuelle Belästigungen werden bewusst „als Trophäe im Bild festgehalten", so Kronfeldner weiter. Er wies explizit darauf hin, dass alleine das „Haben" schon eine Straftat sei und man unter dem Verbreiten auch das reine „Zeigen" verstehe. Rechtliche Folgen seien eine Durchsuchung, Beschlagnahmung, Strafanzeige und bei Jugendlichen eine Meldung an das Jugendamt.
Der Polizeioberkommissar gab abschließend den Eltern einige Tipps mit auf den Weg: „Seien Sie Ihren Kindern ein Vorbild. Die Kinder brauchen eine stabile Wertewelt. Nutzen Sie das Internet gemeinsam, bieten Sie aber auch Alternativen an. Offenheit und Interesse sind wichtige Voraussetzungen für notwendige Gespräche. Und seien Sie vor allen Dingen konsequent!"


Im zweiten Teil des Vortrags wurde es dann der oder dem ein oder anderen wortwörtlich zu heftig. Kriminalhauptkommissar Dengler ist zuständig für die Auswertung der beschlagnahmten Geräte. Um den anwesenden Eltern einmal einen Einblick zu geben, was sich auf den Handys ihrer Kinder befindet, zeigte er Originalclips, die auf dem i Phone einer 13-jährigen Schülerin gefunden wurden. Dabei wollte er bewusst betroffen machen, denn diese Videos „sind nicht in Frankfurt, Berlin oder auf der Reeperbahn, sondern hier bei uns." Dengler erläuterte auch die Vorgehensweise seiner Abteilung bei der technischen Auswertung sichergestellter Geräte. „Wenn wir ein Gerät sicherstellen, können wir nachvollziehen, wohin die Dinge weitergeschickt wurden. So folgen auf eine einzige Sicherstellung schnell 13 bis 14 weitere Verfahren." Auch die Eltern können so ganz plötzlich in einem Ermittlungsverfahren stecken. Schließlich seien sie meist die Vertragsinhaber. Ausreden der Jugendlichen wie „Das machen alle" oder der Eltern „Das ist Privatsphäre meines Kindes" oder „Ich kenne mich da nicht so aus" schützen dabei vor Strafe nicht. Abschließend warf Dengler die berechtigte Frage „Wie entwickeln sich diese Kinder weiter, wenn die das alles schon haben?" in den Raum.

Nach einer angeregten Frage- und Diskussionsrunde bedankte sich Schulleiter Johannes Dieckmann bei den beiden Referenten mit einem Glas Ursulinen-Honig.


In den folgenden Tagen wird es wohl in so manchen Familien noch Gesprächsbedarf gegeben haben und das ein oder andere Handy dürfte aufgrund der von den beiden Polizeibeamten eindringlich vermittelten Gefahren des mobilen Internets vielleicht doch auf mögliche unangemessene Inhalte überprüft worden sein. Wir können alle nur hoffen, dass offene Gespräche das Problem etwas eindämmen können.

Für den Inhalt: Kristina Poiger

 

 

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