Ein Garten für alle Sinne

Das Straubinger Tagblatt berichtet vom

Kooperationsprojekt von Papst-Benedikt-Schule und Ursulinen-Realschule

Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, an dem alle Sinne so sehr angesprochen werden wie in einem eingewachsenen Garten. Aber außer Riechen, Schmecken, Fühlen, Hören oder Sehen ist ein Garten auch ein hervorragender Platz, anderen oder auch mal sich selbst zu begegnen. Genau so eine Begegnungsstätte entsteht gerade auf der Streuobstwiese im Garten der Papst-Benedikt-Schule. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem sich Kinder und Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigungen beteiligen. Schülerinnen der Ursulinen-Realschule und Schüler der Papst-Benedikt-Schule treffen sich dazu seit Beginn des Schuljahres regelmäßig in einer Arbeitsgruppe - freiwillig und ohne Leistungsdruck.

„Der Garten soll sowohl nicht behinderten als auch beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bieten, die Natur mit allen Sinnen zu erfahren und zu begreifen", erläutert Annette Bäumel, stellvertretende Schulleiterin der Papst-Benedikt-Schule. Zusammen mit ihrer Kollegin Dagmar Singer-Albers und den Lehrerinnen der Ursulinen-Realschule Maria Engl und Sigrid Buchner betreut sie das Projekt, das im Rahmen des lokalen Aktionsplans „Wir sind Straubing" mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern - Kompetenz stärken" gefördert wird.
Ziel sei, dass die Teilnehmer beider Schulen so viele Bereiche wie möglich eigenhändig gestalten. Auch Rollstuhlfahrern soll der Zugang durch entsprechend angelegte Wege und Hochbeete möglich sein. Wenn der Sinnesgarten fertig ist, besteht für die Schüler beider Einrichtungen die Möglichkeit, sich dort aufzuhalten, zu ernten oder die Natur zu beobachten und zu bestaunen. Damit das Projekt fachgerecht durchgeführt werden kann, wird mit einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb bei schwierigeren Planungs- beziehungsweise Erdarbeiten zusammengearbeitet.
Der Erlebnisgarten umfasst verschiedene Bereiche, die eben alle Sinne ansprechen sollen, zum Beispiel einen Naschgarten („Schmecken"), eine Kräuterschnecke („Riechen"), Klangspiele aus Naturmaterialien („Hören"), Beete mit wechselnd blühenden Blumen und Sträuchern („Sehen") und einen Weg mit verschiedenen Bodenbelägen, der auch barfuß begehbar sein soll („Fühlen").
Die Schüler sind mittlerweile ein eingeschworenes Team und arbeiten in festen Kleingruppen zusammen. „Es macht großen Spaß zu sehen, welch tolles Miteinander im Laufe des Jahres entstanden ist", beschreibt Annette Bäumel. Zwar habe das Team auch die eine oder andere Krise durchlebt, aber trotzdem hätten sie immer weitergemacht und an ihrem Ziel festgehalten. Anfangs habe das Kennenlernen - und auch das Abbauen von Berührungsängsten - im Mittelpunkt gestanden. „Wir haben miteinander 300 Blumenzwiebel im Gelände gepflanzt", erinnert sich Annette Bäumel an die erste größere Aktion. Außerdem haben die Schüler gemeinsam Nistkästen gebaut -am Ende durfte sogar jeder einen mit nach Hause nehmen. Ein weiterer Höhepunkt war der Workshop mit dem Künstler Herman Reichold. Er hat zusammen mit den Schülern Ideen zur Gestaltung eines Eingangsschildes für den Sinnesgarten umgesetzt. „Es sind beeindruckende Entwürfe herausgekommen", beschreibt Annette Bäumel.
Nach den Vorbereitungen wird es nun Mitte Juli ernst: Dann beginnen die Erdarbeiten und damit die konkrete Umsetzung des Sinnesgartens. Die Schüler und ihre Lehrer freuen sich schon sehr darauf, aber sie Wissen auch: „In einem Garten geht die Arbeit nie aus." Deshalb ist geplant, die Arbeitsgruppe auch im neuen Schuljahr weiterzuführen und den Garten Stück für Stück zu erweitern.

wz-14-07-03