"Du bewegst mehr als du denkst - Fairer Handel"

Bayerns erste Fairtraderealschule, die Mädchenrealschule der Ursulinen, beeindruckte mit ihrem engagierten Fairtradeschoolteam und informierte gemeinsam mit Schulleiter Johannes Dieckmann und Hannah U. Rüther (rechts), Botschafterin und Referentin Kampagne Fairtrade Towns Region Süddeutschland über den Fairen Handel.

- Informationsabend an der Ursulinen Realschule - Fairtrade Botschafterin Hannah Rüther referierte -

Seit Mai 2013 ist die Ursulinen Realschule "Fairtrade School" - die erste Realschule in Bayern. Dementsprechend groß ist das Engagement der Mädchen rund um den Fairen Handel. Am Dienstagabend war die für Süddeutschland zuständige Botschafterin Hannah Rüther aus München bei einem offenen Informationsabend an der Schule und stellte die Organisation TransFair vor, die Siegel für fair gehandelte Produkte vergibt und von zahlreichen gemeinnützigen Vereinigungen unterstützt wird. Die Gelegenheit mehr über den Fairen Handel zu erfahren nutzten in der Fairtrade Town Straubing 60 Interessierte.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Schulleiter Johannes Dieckmann stellte sich Hannah Rüther als freie Referentin für Süddeutschland in der Fairtrade Kampagne vor. Sie bringt auch langjährige Erfahrungen als Entwicklungshelferin in Simbabwe und Uganda mit. Je weiter weg man von der Hauptstadt komme, umso weniger Infrastruktur erlebe man und die Menschen "leben von fast nichts" - und erfreuen sich trotzdem ihres Lebens. Diese Erfahrungen hätten sie mit dazu bewogen, sich für den Fairen Handel einzusetzen. Den Einstieg machte sie mit einem Filmbeitrag, in dem zwei "nette Jungs" an ihrem Verkaufsstand perfektes Marketing und Werbung, allerdings absolut kontraproduktives für "Fairtrade Engagierte" erzählten, und die Leute dennoch kauften. TransFair baue, so die Referentin, eine Brücke zwischen Produzenten und Verbrauchern, um den Konsum verantwortlich zu gestalten. "Unsere Vision ist eine Welt, in der alle Produzenten und Produzierenden im Süden ein sicheres und gutes Leben führen, ihr Potenzial ausschöpfen und über ihre Zukunft selbst entscheiden können" so Hannah Rüther. Deshalb gestaltete der Verein in den Anbauländern Standards für den Handel, die bei Rohprodukten wie Kaffee, Kakao, Bananen oder Blumen nachhaltige Anbauweisen, gesunde Arbeitsbedingungen und sichere Einkommen für die Menschen in den Entwicklungsländern gewährleisten. Das Netzwerk zertifiziere Kleinbauern-Kooperativen oder Plantagen und die gesamte nachfolgende Handelskette. "Fairtrade ist einzigartig. Hier steht der Mensch im Mittelpunkt, daneben die Umwelt und die Produktion" erläuterte Hannah Rüther und verweist dabei auf den ganzheitlichen politischen Ansatz. Ausführlich erläuterte sie wofür das Fairtrade Siegel steht, wie das Fairtrade System im Dachverband, den Netzwerken und nationalen Organisationen funktioniert und die Zertifizierungsnorm läuft. Anschaulich erläuterte die Botschafterin auch die Fairtrade Wertschöpfungskette sowie die Lizenzpartner und Siegel-Geber, Händler und Importeure vor. Fairtrade stehe auch für Selbstbestimmung, Frauenrechte, Umweltschutz und Bildung. Mit einer anderen Kampagne, den Faitrade-Schools, tragen auch Schüler in Deutschland zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Anbauländern bei. Rüther erläuterte auch, wie die Prämien verwendet werden und überraschte mit markanten Zahlen wie 125 Konsumentenländern, 74 Produzentenländer sowie 24 + 5 Fairtrade-Länder bei einem weltweiten Umsatz von 5 Milliarden Euro. Auf Deutschland entfalle dabei 654 Millionen Euro Umsatz aus 4000 Artikel Fairtrade-Produkten bei 280 Partnerfirmen. "Die Zahlen sind seit 2005 kontinuierlich gestiegen" berichtete sie erfreut und verwies darauf, dass 2/3 des Absatzes in Supermärkten getätigt werde.

Nach einer Pause, in der verschiedene Fairtrade-Produkte probiert werden konnten, erläuterte das Fairtrade-School-Team aus der 10 b der Ursulinen Realschule den Weg vom ersten Engagement im Bereich Fairer Handel bis hin zur Auszeichnung Fairtrade School. 2007 begann die Umweltgruppe Papier-AG sich für den Umweltschutz und den gerechten Handel einzusetzen. Bei verschiedensten Anlässen wie Schulfesten, Projekttagen, Advent- oder Elternabenden werden Produkte aus fairem Handel angeboten. "Visionen für die Zukunft" ließen mit dem "Eine Welt Kiosk Nono" erweitern, an dem die gesamte Schulfamilie jeden Tag beim Pausenverkauf die Möglichkeit hat, Schokoriegel, Süßigkeiten und Recyclingpapier zu kaufen. Im Unterricht ist in den Fächern Religion, Erdkunde, Musik, Wirtschaft und Recht, Deutsch, Chemie und Sozialkunde das Thema „Fairer Handel" präsent. Absolut beeindruckten die Mädchen mit ihren Zahlen: so konnte von einem Umsatz von 1.503,62 Euro im Jahr 2010 auf 9.153,61 im Jahr 2014 gesteigert werden. Die Mädchen zeigten mit ihren Berichten sehr deutlich: "Wir hinterlassen Spuren" und dass "Fairtrade" in den Köpfen der ganzen Schulfamilie präsent ist. Nun planen sie für 2015 eine Faire Woche. Der Filmbeitrag "Du bewegst mehr als du denkst - Fairer Handel" rundete den informativen und kurzweiligen Vortragsabend ab. -ih-

Text und Foto: Irmgard Hilmer

Galerie Fotos: Helga Wilberg

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