Gott als roter Faden im Leben

Das Straubinger Tagblatt berichtet:

 

„Die Kraft holte er sich stets aus seiner Freundschaft zu Gott." So charakterisierte Jakob Hofmann, Pfarrer in St. Jakob, Bischöflich Geistlichen Rat Georg Weber. Der Satz fiel bei Webers diamantenem Priesterjubiläum vor fünf Jahren. Nach gerade überstandener schwerer Krankheit stand Weber beim Festgottesdienst aus diesem Anlass wieder am Altar, auf einen Krückstock gestützt. Aber er stand. Und seine Worte „Was wäre ich allein ohne St. Jakob, ohne meine Arbeit als Pfarrer, ohne die Kraft Gottes!" berührten auch die Besucher im letzten Winkel der damals gut gefüllten Basilika. Am Freitag ist Georg Weber kurz vor seinem 90. Geburtstag gestorben.
Von Wegen, die er als richtig erachtet hat, ließ sich Georg Weber auch bei heftigem Gegenwind nicht abbringen. Er galt als einer mit Ecken und Kanten, aber auch mit klarer Linie. Er hat sich Konflikten mit Stehvermögen gestellt. Das entsprach seinem Naturell. Ein „schwankendes Rohr im Wind", wie es in der Bibel heißt, war er nie, eher eine knorrige, standfeste Eiche.
Georg Weber wurde 1925 in Wallkofen geboren. 1936 trat er in das Humanistische Gymnasium in Straubing über und lebte im Bischöflichen Studienseminar. Sein Weg in den Priesterberuf verlief allerdings nicht reibungslos. Bereits als Schüler wurde er zum Arbeitsdienst eingezogen und kam als Unteroffizier an die Front nach Südfrankreich und später in den Osten. Er wurde verwundet und kehrte 1945 aus der Kriegsgefangenschaft wieder nach Hause zurück. Noch im gleichen Jahr trat er in das Priesterseminar ein. 1950 wurde er im Regensburger Dom zum Priester geweiht, war anschließend Kaplan in Marktredwitz, Präfekt im Straubinger Studienseminar und Berufsschulkatechet. Besondere Verdienste erwarb er sich als ideenreicher Stadtjugendseelsorger.
1962 wurde er vom damaligen Bischof Rudolf Graber zum Superior des Ursulinen-Klosters ernannt und gleichzeitig zum Leiter der Ursulinen-Realschule. Neben dem pädagogischen, hat er sich dort besonders auf baulichem Sektor Verdienste erworben. So wurde in den Jahren 1966/67 ein Internat und als Erweiterung der Realschul-Anlage eine zweite Turnhalle und ein Hallenbad erstellt. Drei Jahre später leitete er die Errichtung eines Schulgebäudes für die Fachakademie für Sozialpädagogik, deren Leiter er von 1979 bis 1988 war. 1971 wurde ein Kindergarten angegliedert. Besonders engagierte sich Weber auch für die Restaurierung der Ursulinenkirche 1979 bis 1981. Bereits 1982 wurde er zum Bischöflich Geistlichen Rat ernannt. 1988 erhielt er aus der Hand des damaligen Bayerischen Umweltministers Alfred Dick das Bundesverdienstkreuz am Bande.
2003 ehrte ihn die Volksbank für 40 Jahre als Hausgeistlicher, denn seit 1963 feierte Weber mit Bankern und Gästen in der Hauskapelle der Bank am Ludwigsplatz jeweils zum Patrozinium Maria Heimsuchung am 2. Juli und zum Jahresschluss - nach liebegewordener Tradition Gottesdienst.
29 Jahre lang war Georg Weber Chef der Ursulinen-Realschule. Im Juli 1991 ging er „mit Wehmut" in den Ruhestand, den er sich aber mit Kraft und Energie als neuen Lebensabschnitt erschloss. Er nutzte seine Zeit nicht nur für theologische Literatur und lange Wanderungen, sondern besonders für die Arbeit als unterstützender Seelsorger in den Straubinger Pfarreien, besonders St. Peter und St. Jakob.
Als größtes Geschenk zu seinem 85. Geburtstag hat er seine wiedererlangte Mobilität nach schwerer Erkrankung und Operationen empfunden. Damals kam er nach Monaten der Pflegebedürftigkeit im Altenheim wieder zurück in sein Haus. „Man darf nie aufgeben", sah er sein Credo bestätigt. Auch wenn er weiter auf Hilfe angewiesen war, als Priester am Altar und im Gespräch ist er auch hoch in den Achtzigern noch unermüdlich bei der Sache gewesen. Über viele Jahre feierte er in großer Verbundenheit jeden Dienstag mit den Senioren des Marienstift Eucharistie. Seine Predigten galten als wortgewaltig und ausdrucksstark. Schließlich wollte er immer nur eines, von Gott als rotem Faden im Leben überzeugen.
Monika Schneider-Stranninger