Hochzeit an der Ursulinen Realschule

Was hat eine Hochzeit mit Unterricht zu tun? Warum lernt man etwas fürs Leben, wenn man Passanten auf dem Stadtplatz befragt? Und welche Lernziele, bitte schön, birgt es, sich ein Faschingskostüm anzuziehen? All diese Fragen können die 9. Klassen der Ursulinen Realschule beantworten! Freilich, man müsste ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern - über im Schulhaus verloren gegangene Schülerinnen oder plötzlich wirr plappernde Interviewpartner etwa... oder man stellt einfach das Ziel dieses etwas unkonventionellen Unterrichts vor, den die Schülerinnen von Dezember bis Februar dieses Schuljahres durchführen durften. Die Schülerinnen der neunten Klassen führten heuer erneut die so genannte „Projektpräsentation" durch. Hierbei handelt es sich um ein fächerverbindendes Großprojekt, bei dem die Schülerinnen eigenständig verschiedene gesellschaftlich relevante Themen zu unterschiedlichen Leitthemen bearbeiten, um ihre Ergebnisse anschließend in einer Gesamtpräsentation vorzustellen. Die Lehrkräfte an der Ursulinen Realschule hatten unter der Leitung von Herrn Harbort gemeinsam mit den Schülerinnen bezüglich der Leitthemen „Andere Länder, andere Sitten, Naturkatastrophen, Flüchtlinge, Die Frau im Wandel der Zeit, Tierschutz sowie Verschwendungssucht – wie kann man diesen Wahnsinn stoppen?" verschiedene Themen formuliert, die die Fächer Erdkunde, Geschichte, Haushalt und Ernährung, Wirtschaft, Religion, Physik

und IT umfassten. Nach einem schwerpunktmäßigen Lehrgang, in dem die Schülerinnen durch die Lehrkräfte in den wichtigsten Methoden der Informationsbeschaffung, -verarbeitung und -präsentation geschult worden waren, ging es kurz vor den Weihnachtsferien richtig an die Sache. In Gruppen schwärmten die Schülerinnen in die Stadt aus, um binnen weniger Wochen, in denen der Unterricht in den beteiligten Fächern aufgelöst war, soviel Wissen als nur möglich zu recherchieren. Da wurde das Archiv der Stadt auch mal von innen gesehen. Man führte Interviews durch mit interessanten Personen, die von einer weit entfernten Heimat erzählten oder über die Entwicklung interessanter Orte berichteten. Manche Gruppen suchten das Gespräch mit dem Bürgermeister und hier und da wurden einzelne Schülerinnen gesichtet,

die Gebäude aus allen erdenklichen Perspektiven fotografierten und den Wasserverbrauch der Stadt Straubing unter die Lupe nahmen. Nicht immer liefen die Arbeitsprozesse glatt und nicht immer waren alle Beteiligten von der gemeinsamen Sache begeistert: Denn was zu Beginn so einfach wirkte, sollte sich bei genauerer Betrachtung als recht komplexe Herausforderung herausstellen. All die recherchierten Ergebnisse mussten in Form gebracht werden, wollte man sie anschaulich und überzeugend ans Publikum weitergeben. Schwitzend saß man über den Unterlagen und begann das Chaos zu ordnen, in dem man vor lauter Bäumen zuweilen den Wald nicht mehr zu erkennen vermochte. Was die Schülerinnen durch dieses Projekt gelernt haben? Das dürfte höchst individuell bewertet werden. Folgende Fähigkeiten konnten aber wohl alle Teilnehmer 

schulen: sich Zusammenraufen, Arbeitsprozesse planen, überdenken und zurechtbiegen, von vorne anfangen, mit Rückschlägen umgehen, Zeitdruck positiv nutzen, eigene Meinungen vertreten, möglichst konstruktiv streiten, Wissen visualisieren, über Fehler lachen, frei reden ... ... und am Ende mächtig stolz sein. Das will nämlich auch gelernt sein.

 

Text und Fotos: Thomas Harbort
23-2-15 Ge