Warum ein Flüchtling ein Handy hat

In vier Vorträgen informierten Kathrin Pirner vom BRK Straubing und Christoph Liebl von Sonet Ostbayern die jüngsten Schülerinnen an der Ursulinenrealschule über Flüchtlinge und Asylbewerber.

Schülerinnen an der Ursulinenrealschule sprechen über Vorurteile

Weil es noch immer viele Vorurteile zum Thema Flüchtlinge und Asylsuchende gibt, hat die Ursulinenrealschule ein Projekt gestartet mit dem Ziel, Vorurteile abzubauen und möglichst neutral über auftretende Probleme und Lösungen zum Thema Flüchtlingskrise zu informieren. Aufgeteilt in vier Altersgruppen, lauschten die 792 Schülerinnen verschiedenen Referenten von BRK, Landratsamt, Caritas und Sonet Ostbayern. Die Themen Flucht, Zuwanderung, Migration, Asyl und Integration bewegen die gesamte Gesellschaft. Deshalb hat Schulleiter Johannes Dieckmann zusammen mit seinem Lehrerkollegium, voran Brigitta Hecht, Fachvorsitzende für Geschichte, das Flüchtlingsprojekt an der Ursulinenrealschule durchgeführt. „Praktische Antworten finden und fachliche Unterstützung bieten" war dabei das Motto. Der Abbau von Vorurteilen, die Wertevermittlung gegenüber Menschen, die mit uns leben und neu zu uns kommen, aber auch Rechte und Pflichten standen auf dem Programm. Als kompetente Referenten sprachen Jürgen Zosel, Kreisgeschäftsführer des BRK, vor den neunten und zehnten Klassen sowie Markus Eckstein, zuständig für das Personenstands- und Ausländerwesen im Landratsamt Straubing-Bogen, vor den achten Klassen. Die siebten Klassen hatten als Referentin Julia Liebl von der Caritas-Asylund Flüchtlingsberatung mit einem Vortrag und anschließender Diskussionsmöglichkeit. | Hetzkampagnen im Internet erkennen Je nach Altersgruppe lagen die Schwerpunkte der Referenten unterschiedlich stark. So wurde beispielsweise aufgezeigt, wie man Hetzkampagnen in sozialen Netzwerken erkennt. Einen breiten Raum nahm die Darstellung der aktuellen Flüchtlingssituation in Straubing und Feldkirchen ein. Wertvolle Informationen erhielten die Schülerinnen aber auch über die politischen Verhältnisse in den Herkunftsländern, wie etwa in Syrien. Die Jüngsten an der Schule, die sechsten und fünften Klassen, hatten als Referenten Kathrin Pirner, kommissarische Leiterin für Soziale Arbeit beim BRK, und Christoph Liebl von der Firma Sonet (Soziales Netzwerk) Ostbayern, der von der Clearingstelle in Kooperation mit dem BRK arbeitet. Sie führten die Mädchen behutsam an das Thema heran. Es wurde etwa erklärt, warum so viele Flüchtlinge ein Handy besitzen. Aus dem Blickwinkel, dass diese Menschen alles verlassen, was ihnen etwas bedeutet, und komplett entwurzelt werden, erschien es plausibel, dass durch ein Handy der Kontakt mit der zurückgebliebenen Familie enorm wichtig ist. Auch der Frage, welchen Beitrag der Flüchtling, der Staat und jeder einzelne Bürger leisten kann, damit Integration gelingt, wurde nachgegangen. Wie Kathrin Pirner erzählte, waren die Mädchen sehr offen für die Informationen und konnten schnell differenzieren. Sensibel wurden die Mädchen dahingehend geleitet, dass sie „Meinungen vom Hörensagen" überdenken und auch hinterfragen sollen. -ih-

 

Straubinger Tagblatt vom 01.03.2016

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