„Ein Engel, der nicht singen wollte“

Ursulinen brachten 175 Weihnachtspakete für Menschen mit Handicap nach Reichenbach

Das Straubinger Tagblatt berichtet:

Der Reichenbachbesuch gehört zur Ursulinenrealschule an Weihnachten, wie das Amen in der Kirche. Seit nunmehr 49 Jahren bereiten die Mädchen Menschen mit Handicap in der dortigen Einrichtung der Barmherzigen Brüder eine Weihnachtsfreude. Geschenke und vor allem das „junge Leben" werden seit dieser Zeit immer begeistert aufgenommen.
Vollbepackt sogar am letzten Notsitz machte sich der von der Firma Biendl mitgesponserte Bus auf den Weg in den bayerischen Wald. Päckchen, Theaterutensilien und Instrumente waren im Kofferraum verstaut. Aus der großen Schulfamilie wurden 70 Mitfahrende, darunter Konrektor Wolfgang Zankl, acht Lehrer, Eltern- und Fördervereinsvertreter sowie Schülerinnen aus allen Jahrgangsstufen an ihr Ziel chauffiert. Als der Bus in Reichenbach eintraf, waren die Begrüßung und der empfang an Herzlichkeit nicht zu überbieten. Die Freude über das Wiedersehen und die Vorfreude auf das Theaterspielen – und wohl auch auf die Päckchen – war dem Begrüßungskomitee ins Gesicht geschrieben. Tatkräftig unterstützten sie das Ausladen der 175 mitgebrachten Geschenke und Requisiten.
Nach getaner Arbeit erhielten die Besucher der Ursulinen einen kurzen Überblick über die Einrichtung. 1891 gründete sie der Orden der Barmherzigen Brüder für behinderte Männer. Seit 1993 werden auch Frauen in den Häusern betreut. Insgesamt leben rund 400 überwiegend geistig behinderte Menschen im Altern von 20 bis 90 Jahren in Reichenbach. Sie werden in den Alltag miteinbezogen und integriert. Teilweise arbeiten sie in verschiedenen handwerklichen Bereichen. Seit mehreren Jahren bestehen Wohngruppen mit heimeliger Atmosphäre. Die große Veranstaltung im Saal mit den Bewohnern und dem Personal begann das LKS-Ensemble („Lehrer können Singen") die musikalische Gruppe der Lehrer: Emmeram Strohmeier, Christine Wagner, Helga Willberg und Bernhard Janker sowie die Schülerinnen des Wahlfachs „Strupf". Sie sorgten mit zünftiger Volksmusik für gute Stimmung bei den Reichenbachern. Mit ihrem Gesang schlug das LKS-Ensemble aber auch besinnliche Töne an.
Das Theater „Ein Engel, der nicht Singen wollte" gespielt von der Theatergruppe eroberte sofort die Herzen der Bewohner. Als die Menge der himmlischen Heerscharen über den Feldern von Betlehem jubelte: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden", hörte ein kleiner Engel plötzlich zu singen auf. Obwohl er im unendlichen Chor nur eine kleine Stimme war, machte sich sein Schweigen doch bemerkbar. Und er verteidigte sein Schweigen mit Problemen, die er beim Singen von „Und Frieden auf Erden unter den Menschen" bekam. Nach langwierigen Diskussionen mit dem großen Engel bekam der kleine Engel den Auftrag, auf der Erde zu bleiben und die Friedensbotschaft der Heiligen Weihnacht unter die Leute zu bringen. Der kleine Engel wanderte mit den Hirten zu dem Kind in der Krippe und öffnete ihnen die Herzen, dass sie verstanden, was sie sahen. Dann ging er in die weite Welt und begann zu wirken. Angefochten und immer neu verwundet, tut er seither seinen Dienst und sorgt dafür, dass die Sehnsucht nach dem Frieden nie mehr verschwindet, sondern wächst, Menschen beunruhigt und dazu antreibt, Frieden zu suchen und zu schaffen. Wer sich ihm öffnet und ihm hilft, hört plötzlich wie von ferne einen Gesang, der ihn ermutigt, das Werk des Friedens unter den Menschen weiterzuführen. Traditionsgemäß spendierte nach der Vorstellung der Förderverein allen Theaterbesuchern leckere Lebkuchen. Der Besuch in den zehn Wohngruppen sowie für die Theaterspielerinnen der Besuch in den Snoezelenräumen rundete den erlebnisreichen Tag für die Ursulinen ab. -ih-

 

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