„Zum Dienst bereit“

Feierten gemeinsam einen schönen Festtag: Maria Fuchs (Schwester von Sr. Veronika), Pfarrer Adolf Niessner, Professjubilarin Sr. Veronika Engl und Oberin Sr. Judith Reis (von links)

Schwester Veronika Engl feierte bei Ursulinen 60-jähriges Professjubiläum

Das Straubinger Tagblatt berichtet:

 

Vor 60 Jahren hat Schwester Veronika Engl ihre Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams abgelegt und sich damit auf Lebenszeit dem Orden der Ursulinen in Straubing angeschlossen. Voller Dankbarkeit konnte sie nun am Samstag im Kreise ihrer Mitschwestern, der Aggregierten, ihrer Familie und Bekannten auf diese lange Zeit der Treue zurückblicken. Dank an Gott wurde im Festgottesdienst ausgesprochen, den Pfarrer i.R. Adolf Niessner zelebrierte und Maria Kaiser an der Orgel musikalisch begleitete.
Sr. Veronika war gemeinsam mit Oberin Schwester Judith Reis in der ersten Bankreihe, vor ihr die brennende Professkerze. Gleich zu Beginn erinnerte Pfarrer Niessner an das Motto, das Schwester. Veronika bei ihrer Profess gewählt hat: „Zum Dienst bereit". Und dieses Motto habe sie ein Leben lang treu befolgt. Als Schülerin sei sie an die Realschule der Ursulinen gekommen, sie habe den Orden kennen- und schätzen gelernt und dann selbst um Aufnahme gebeten. „Die Treue war wichtig auf diesem Weg und ist auch heute noch wichtig, um mit Altersbeschwerden bestehen zu können" betonte Pfarrer Niessner. „Gott, der mich berufen hat, ist treu" stand als Vers über der gesamten Feier und in diesem Sinne erneuerte Schwester Veronika ihre Professgelübde.
Seine Predigt begann Niessner so: „Wer Menschen sucht, die ihm zuhören, erreicht es am besten, wenn er schimpft". Schimpfen über die Politik oder über die Kirche oder über Menschen. Das sei zu allen Zeiten so gewesen. Ebenso alt seien die Träume vom Guten, von der Gemeinschaft, von Menschen, die Hand anlegen. Und die Frage „wird der Herr noch Glauben finden, wenn er kommt?" müsse jeden Einzelnen beschäftigen, müsse jeder für sich selbst beantworten und danach handeln. „Mit dem Leben von Schwester Veronika kann man das verbinden. Sie kann dankbar den Kranz der Treue entgegennehmen", betonte Pfarrer Niessner.
Geboren wurde sie als Cäcilia Engl am 10. Mai 1935 in Sattelbogen (Landkreis Cham). Gemeinsam mit vier Brüdern und zwei Schwestern wuchs sie in der elterlichen Landwirtschaft auf. Nach dem Besuch der Volksschule kam sie von 1950 bis 1953 an die Mädchenmittelschule der Ursulinen. Nach der Mittleren Reife erhielt sie die Stelle als Schulsekretärin für das Gymnasium und die damalige Mittelschule. Am 13. November 1955 wurde sie eingekleidet und erhielt den Namen Veronika; zwei Jahre später legte sie ihre Profess ab. Sr. Veronika wurde als Lehrerin für Maschinenschreiben ausgebildet und unterrichtete viele Jahre dieses Fach an der Mittel- und späteren Realschule.
Das Leben und der Dienst im Sekretariat von Schwester Veronika stand unter dem Leitwort „Zum Dienst bereit" und es gab fast keine Zeitbegrenzung. Sie war immer da. Als Schulsekretärin gestaltete sie von 1953 bis 2007 aktiv Schulgeschichte mit und arbeitete unter Schwester Leonarda am Gymnasium, Direktor Eggerbauer an der Mittelschule, später fast 30 Jahre unermüdlich an der Seite von Direktor Weber und von 1991 bis 2007 mit Schwester Daniela Fuchs. Es war ihr kein Problem, sich all den Veränderungen der Schulbezeichnungen, Einführung neuer Verordnungen und Vorschriften zu stellen und sie versah alle Arbeiten mit größter Umsicht, Genauigkeit, Freundlichkeit und Selbstlosigkeit. Für die kranken Schülerinnen hatte sie immer ein offenes Herz und mindestens zwei Schülergenerationen erinnern sich an die Wohlversorgung mit „Karmelitengeist".
Ein besonderes Anliegen waren ihr die Aktionen für die Mission und die Unterstützung der Missionare in Korea, Afrika und Bolivien. Mit äußerster Akribie führte sie die Adressenlisten der Ehemaligen, um den jährlichen Weihnachtsrundbrief zu sichern. Obwohl Schwester Veronika sehr viel arbeitete, gönnte sie sich auch Zeiten der Erholung, machte auf einer Gartenbank im Schulhof ein Nickerchen und ließ sich von der Sonne wärmen.
Im Psalmengebet holte sie sich Kraft für ihren Alltag. Auch nach der Beendigung des offiziellen Dienstes übernahm sie noch viele Botengänge und kleine Dienste für die Verwaltung der Schulen. So kann Schwester Veronika auf ein erfülltes Leben zurückblicken. Ihr Alltag besteht nun im Verweilen bei Gott im Gebet, im Ertragen der Alterslast, in kleinen Diensten im Speisesaal der Schwestern und im Ausschneiden von Briefmarken für die Mission zur Unterstützung armer Menschen.
Der Kontakt zur Familie war und ist ihr immer wichtig gewesen. Und es machte sie auch am Festtag sehr glücklich und dankbar, dass ihre Verwandten nicht nur den Festgottesdienst, sondern auch beim Mittagessen und Kaffeeplausch mitfeiern konnten. -ih-

 

wz171120