Getrennt oder zusammen?

Geschlechtertrennung an Schulen sei ein Auslaufmodell, heißt es. Nicht in Straubing. Foto: Daniel Karmann/dpa

Wer in Straubing auf eine Realschule gehen will, hat keine Auswahl – auch in Zukunft?


Das Straubinger Tagblatt berichtet in einem Artikel von Christoph Urban:


Immer mehr Realschulen, die traditionell nur Mädchen oder nur Buben vorbehalten waren, öffnen sich für das jeweils andere Geschlecht. Die Geschlechtertrennung – ein Auslaufmodell? Nicht in Straubing, betonen die Verantwortlichen.


„Natürlich beobachte ich das", sagt Regina Houben von der Jakob- Sandtner-Realschule. Sie habe sich schon gedacht, dass unsere Zeitung sie zu diesem Thema anrufen werde. Denn als Rektorin der Knabenschule könne sie viel über die Geschlechtertrennung sagen. Überdies habe sie auch an gemischten Schulen unterrichtet und könne die beiden Modelle daher gut vergleichen. Lange könne sie über die Vorteile einer Knabenrealschule reden. Sie wolle sich aber nicht in die Nesseln setzen, dankt fürs Verständnis und verweist auf den Ministerialbeauftragten in Landshut.
„Da gibt's nichts zum in die Nesseln setzen", meint Bernhard Aschenbrenner, Ministerialbeauftragter in Landshut. Denn es seien keine pädagogischen Erwägungen, die zu einer Öffnung für das jeweils andere Geschlecht führten. „In Osterhofen ging es darum, den Schulstandort zu sichern", sagt er. Genauso in Aiterhofen, wo die Fraundorfer-Realschule seit 2014 auch Unterricht für Buben anbietet.
Für Straubing sei nichts dergleichen geplant. „Bei den beiden Realschulen in Straubing handelt es sich um zwei Schulen mit außergewöhnlich positivem Profil", betont Aschenbrenner. „Das sind feste Größen, aus der Geschichte gewachsen." Darum gebe es auch keinen Anlass, an der Geschlechtertrennung zu rütteln.

Kein Recht auf die Wunschschule

Trotzdem gibt es Eltern und Kinder, die sich eine gemischte Realschule in der Stadt wünschen. So meint ein Leserbriefschreiber: „Es ist kaum hinzunehmen, dass die momentane Schulsituation in Straubing von mir verlangt, für meine Tochter außerhalb Straubings nach einer staatlichen Realschule oder zumindest einer gemischten Ausschau zu halten, hat unser Kind doch seine gesamte Kindheit mit Kindergarten, Grundschule, übrigens jeweils gemischt, hier in Straubing verbracht." Er habe beim Elternverband angefragt, ob er seine Tochter nicht doch auf die Sandtner-Realschule schicken dürfe. Das sei ihm verwehrt worden. Eine Klage erwäge er nicht, erklärt er auf Nachfrage. Aber ein befreundeter Rechtsanwalt habe ihm gesagt, dass es für die Geschlechtertrennung an der Schule keine rechtliche Grundlage gebe.
Andreas Ofenbeck, Pressesprecher des Kultusministeriums, sagt etwas anderes: Der Staat sei grundsätzlich befugt, Schulen für nur ein Geschlecht einzurichten. „Das hat man meist als Ergänzung gemacht zu einer gewachsenen, kirchlichen Schule mit Geschlechtertrennung", erklärt Ofenbeck. Zwar gebe es Ausnahmen: Wenn etwa die Brüder eines Mädchens auf die Knabenrealschule gehen und es wegen des Schulwegs angezeigt ist, dass das Mädchen auf die gleiche Schule geschickt wird. Einen Rechtsanspruch auf die Wunschschule gebe es nicht.

Ursulinen: Öffnung für Buben kein Thema

Sr. Ursula ist von den Vorteilen der Mädchenschule überzeugt. Foto: urb

An der Ursulinenrealschule sei eine Öffnung für Jungen kein Thema, sagt kommissarische Schulleiterin Schwester Ursula Wagner. „Bei uns besteht auch keine Notwendigkeit dafür", meint sie. Zwar seien die Anmeldezahlen rückläufig. Das liege aber daran, dass es insgesamt weniger Kinder gebe. Zudem habe sich die Ordensgründerin, die heilige Angela Merici, verstärkt um Frauen gekümmert.
Ein Vorteil der reinen Mädchenschule sei, dass Mädchen sich in den Naturwissenschaften mehr trauen. „Jungs treten anders auf, das schüchtert Mädchen ein", sagt sie. Darum müsse man das Selbstvertrauen der Schülerinnen stärker fördern und ihnen die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren und Erfahrungen zu sammeln.
Größer sei das Gezicke auf jeden Fall, gibt Sr. Ursula lachend zu. Als Nachteil sieht sie die künstlich männerfreie Umgebung in den Klassen nicht: „Wir sind nicht weltfremd", meint sie. „Die Mädchen bekommen außerhalb der Schule genügend vom anderen Geschlecht mit." Aber in der Zeit zwischen elf und 16, 17 Jahren seien sie unsicher in ihrer Persönlichkeit und würden von der Geschlechtertrennung profitieren. „Der Wind danach schadet nicht, aber in dieser Zeit brauchen sie Raum, um sich zu festigen."

 

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