Hinschauen statt wegsehen, Position beziehen und Verantwortung für ein respektvolles Miteinander übernehmen: Am 16. und 17. September absolvierte die Klasse 10c der Ursulinen-Realschule Straubing ihre Ausbildung zu Courage Coaches.
Das Besondere daran: Die Schülerinnen sollen ihre neu gewonnenen Kenntnisse und Erfahrungen künftig an jüngere Jahrgangsstufen weitergeben und damit selbst zu Multiplikatorinnen für Courage an ihrer Schule werden.
Die jeweils fünfstündige Schulung fand in zwei Gruppen statt und lag in den Händen von Katha und Zoe, zwei Teamerinnen des Courage Netzwerks Niederbayern. Die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk koordinierte Herr Schlieter.
Im Mittelpunkt standen Rassismus, unterschiedliche Formen von Diskriminierung, Privilegien und Zivilcourage im Alltag. Dabei blieb es nicht bei theoretischem Wissen: Eine Schritteübung zu verschiedenen Rollen und Lebenssituationen sowie ein Privilegiencheck regten dazu an, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen. Gemeinsam beschäftigten sich die Schülerinnen damit, wo Ausgrenzung beginnt, wie sich Diskriminierung erkennen lässt und welche Möglichkeiten jeder Einzelne hat, angemessen zu reagieren.
Eine wichtige Erkenntnis der beiden Tage: Courage bedeutet nicht, in jeder Situation sofort die perfekte Antwort zu haben. Vielmehr geht es darum, aufmerksam zu sein, nicht wegzusehen, Haltung zu zeigen und zu wissen, wann und wie man selbst handeln oder Hilfe hinzuziehen kann.
Für die Ursulinen-Realschule bildet die Qualifizierung einen weiteren wichtigen Baustein ihres Engagements im bundesweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Seit 2022 trägt die Schule diesen Titel und hat sich damit verpflichtet, sich dauerhaft gegen Diskriminierung und für ein respektvolles Zusammenleben einzusetzen.
Bereits in der Vergangenheit nahmen einzelne Schülerinnen an einer Qualifizierung zu Courage Coaches teil. Mit der Einbeziehung einer gesamten Klasse wird dieser Ansatz nun bewusst erweitert und nachhaltiger im Schulalltag verankert. Denn die 10c soll nicht nur selbst von den beiden intensiven Tagen profitieren: Die Schülerinnen werden ihre Kenntnisse und Erfahrungen an jüngere Jahrgangsstufen vermitteln und diese für Rassismus, Diskriminierung, Ausgrenzung und Zivilcourage sensibilisieren.
Wie das konkret gelingen kann, war bereits Teil des Programms. In einer ersten Projektplanung entwickelten die Schülerinnen gemeinsam Ideen für die weitere Arbeit. Künftig sollen sie selbst altersgerechte Einheiten mit jüngeren Schülerinnen und Schülern gestalten. So wird aus Wissen eigenes Handeln – und aus den Teilnehmerinnen werden Multiplikatorinnen, die den Courage-Gedanken innerhalb der Schulgemeinschaft weitertragen.
Organisiert und begleitet haben das Projekt an der Ursulinen-Realschule Farina Dietl und Tom Harbort. Möglich machte die Durchführung zudem die Stadt Straubing: Roman Schaffner vom Sozialen Rathaus begleitete die finanzielle Umsetzung. Die Kosten in Höhe von rund 1.000 Euro trägt vollständig das Bundesprogramm „Demokratie leben!“.
Zum Abschluss kamen die Klasse 10c, die beiden Teamerinnen und die Verantwortlichen der Schule zu einem gemeinsamen Gruppenbild zusammen. Dieser Moment markierte jedoch weniger einen Abschluss als vielmehr den Beginn der nächsten Etappe: Nun liegt es an den neuen Courage Coaches, ihre Erfahrungen in die Schulgemeinschaft hineinzutragen.
Denn Courage beginnt im Alltag – beim Hinschauen, Hinterfragen und Handeln. Und sie gewinnt an Wirkung, wenn sie weitergegeben wird.
Text: Tom Harbort Bilder: Farina Dietl, Sophia Feldmeier
2026-09-17 wei



















